Was ist ein Integrationskurs?
Ein Integrationskurs ist ein staatlich geförderter Deutschkurs, der speziell für Menschen konzipiert wurde, die nach Deutschland eingewandert sind und die deutsche Sprache lernen möchten. Er wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) koordiniert und über ganz Deutschland angeboten — in Großstädten wie Berlin, München und Hamburg, aber auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen.
Der Kurs besteht aus zwei Teilen: dem Sprachkurs und dem Orientierungskurs. Zusammen vermitteln sie nicht nur Deutschkenntnisse bis Niveau B1, sondern auch wichtiges Wissen über das Leben in Deutschland — Geschichte, Rechtsstaat, Demokratie und Werte.
Wer hat Anspruch auf einen Integrationskurs?
Nicht jeder kann einfach so an einem Integrationskurs teilnehmen. Es gibt klare Regeln, wer berechtigt ist:
Pflicht zur Teilnahme
- Personen, die von der Ausländerbehörde oder dem Jobcenter zur Teilnahme verpflichtet werden
- Neuzuwanderer aus Nicht-EU-Ländern mit einem Aufenthaltstitel (z.B. zur Familienzusammenführung oder Arbeit)
- Personen, die ALG II (Bürgergeld) beziehen und deren Deutschkenntnisse als unzureichend eingestuft werden
Freiwillige Teilnahme möglich für:
- EU-Bürger und ihre Familienangehörigen
- Deutsche Aussiedler und Spätaussiedler
- Personen mit ausreichend Kenntnissen, die dennoch auffrischen möchten (wenn Plätze verfügbar sind)
- Asylbewerber mit „guter Bleibeperspektive“ (z.B. aus Syrien, Afghanistan, Somalia)
Aufbau des Integrationskurses: Stunden, Niveaus und Module
Der Standard-Integrationskurs umfasst insgesamt 700 Unterrichtseinheiten (UE à 45 Minuten):
- Sprachkurs: 600 UE — Deutsch von A1 bis B1
- Orientierungskurs: 100 UE — Leben in Deutschland, Demokratie, Geschichte, Werte
Der Sprachkurs ist in 6 Module à 100 UE unterteilt:
- Modul 1 & 2: Niveau A1 (Grundkenntnisse)
- Modul 3 & 4: Niveau A2 (Elementare Kenntnisse)
- Modul 5 & 6: Niveau B1 (Selbstständige Nutzung)
Sonderkurse für besondere Gruppen
Das BAMF bietet neben dem Standardkurs auch spezialisierte Formate an:
- Jugendintegrationskurs: Für junge Erwachsene (18–27 Jahre), mit pädagogischer Begleitung und Berufsorientierung
- Alphabetisierungskurs: Für Personen ohne Lese- und Schreibkenntnisse — 900 UE statt 700
- Eltern- und Frauenintegrationskurs: Mit Kinderbetreuung, ideal für Mütter mit kleinen Kindern
- Förderkurs für Fortgeschrittene: Für Personen mit bereits vorhandenen B1-Kenntnissen
Kosten und Förderung: Was kostet der Integrationskurs?
Das ist die Frage, die die meisten interessiert. Die gute Nachricht: Der Integrationskurs ist stark subventioniert.
Standard-Kostenbeitrag
Teilnehmer zahlen in der Regel 2,29 Euro pro Unterrichtseinheit. Bei 700 UE wären das maximal rund 1.603 Euro — aber in der Praxis zahlen die meisten deutlich weniger oder gar nichts:
- Kostenloser Kurs für Personen, die Bürgergeld (ALG II), Sozialhilfe oder Asylbewerberleistungen erhalten
- Kostenloser Kurs für zur Teilnahme verpflichtete Ausländer (auf Antrag bei nachgewiesener Bedürftigkeit)
- Kostenerstattung möglich: Wer nach erfolgreichem Abschluss (B1 + „Test Leben in Deutschland“ bestanden) zahlt, kann sich 50% der Kursgebühren zurückerstatten lassen
Praxis-Tipp: Schließen Sie den Kurs erfolgreich ab, bestehen Sie beide Prüfungen und stellen Sie einen Erstattungsantrag beim BAMF. Das können bis zu 800 Euro zurück sein — das lohnt sich!
Wie findet man einen Integrationskurs? Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Kursträgerliste auf der BAMF-Website
Gehen Sie auf www.bamf.de → Integrationskurse → Kursortsuche. Dort finden Sie alle zugelassenen Kursträger in Ihrer Nähe, gefiltert nach Postleitzahl oder Stadt.
Schritt 2: Berechtigungsschein beantragen
Für die Kursteilnahme benötigen Sie eine Zulassung zur Teilnahme am Integrationskurs. Diese bekommen Sie bei:
- Ihrer zuständigen Ausländerbehörde
- Ihrem Jobcenter (wenn Sie Bürgergeld beziehen)
- Direkt beim BAMF (für freiwillige Teilnehmer über das Online-Portal)
Schritt 3: Einstufungstest beim Kursträger
Vor Kursbeginn machen Sie einen kostenlosen Einstufungstest, der ermittelt, auf welchem Niveau Sie einsteigen. Haben Sie bereits A2-Kenntnisse, müssen Sie nicht von Null beginnen und können Module überspringen.
Schritt 4: Kurs regelmäßig besuchen
Wichtig: Bei Pflichtteilnehmern kann regelmäßiges unentschuldigtes Fernbleiben Konsequenzen haben, z.B. Meldung an die Ausländerbehörde oder Kürzung von Sozialleistungen.
Bekannte Kursträger in Deutschland: Preise und Qualität
In Deutschland gibt es über 1.800 zugelassene Kursträger. Zu den bekanntesten gehören:
- Volkshochschulen (VHS): In fast jeder Stadt vertreten, günstig und staatlich gefördert. Die VHS München bietet täglich mehrere Integrationskursformate an, vom Intensiv- bis zum Teilzeitkurs. Kosten nach Förderung: meist 0–200 €.
- DeutschAkademie: Online und in Präsenz, besonders stark in Wien, Hamburg und München. Moderne Lernmethoden, flexible Kurszeiten. Eigenanteil nach Förderung: ca. 0–250 €.
- inlingua: Über 60 Standorte in Deutschland, auch mit Abendterminen. Integrationskurse werden in Frankfurt, Hamburg, München und anderen Städten angeboten. Eigenanteil: ca. 0–300 €.
- Berlitz: Bekannt für intensives Sprachtraining, bietet in großen Städten auch Integrationskurse an. Höherpreisig, aber mit intensiver Betreuung.
- Alpha-Kurs-Anbieter: Spezialisierte Träger wie Caritas, AWO oder Diakonie für Menschen ohne Lese-/Schreibkenntnisse.
Einen detaillierten Vergleich der besten Sprachschulen für Deutschkurse finden Sie in unserem Artikel: TOP 10 Sprachschulen in Deutschland.
Der Abschlusstest: DTZ und „Test Leben in Deutschland“
Am Ende des Integrationskurses stehen zwei Prüfungen:
1. Deutschtest für Zuwanderer (DTZ)
Diese Prüfung wird von telc oder vom Goethe-Institut durchgeführt und testet alle vier Sprachfertigkeiten:
- Hören (Niveau A2–B1)
- Lesen (Niveau A2–B1)
- Schreiben (Niveau A2–B1)
- Sprechen (Niveau A2–B1)
Ergebnis: Zertifikat auf Niveau A2 oder B1 — je nach Punktzahl. Kosten: ca. 80–130 € (oft bereits im Kurs enthalten).
2. Test Leben in Deutschland
Dieser Multiple-Choice-Test umfasst 33 Fragen aus dem Stoff des Orientierungskurses: Geschichte, Politik, Rechte und Pflichten in Deutschland. Bestanden gilt ab 17 richtigen Antworten. Die 300 möglichen Prüfungsfragen sind öffentlich zugänglich und können vorab geübt werden.
Was passiert bei Nichtbestehen?
Sie können die Prüfung einmal wiederholen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, bis zu 300 zusätzliche Unterrichtseinheiten zu beantragen, wenn Sie nachweisen können, dass Sie die Zeit für Ihren Fortschritt benötigen.
Wenn Sie planen, anschließend eine offizielle Sprachprüfung abzulegen, lesen Sie unseren ausführlichen Vergleich: TELC vs. TestDaF vs. DSH – Welche Prüfung ist die richtige?
Online-Integrationskurs: Lernen von zu Hause
Seit der COVID-Pandemie hat das BAMF Online-Integrationskurse offiziell zugelassen. Diese sind besonders praktisch für:
- Eltern mit kleinen Kindern zu Hause
- Personen in ländlichen Regionen ohne gute Verkehrsanbindung
- Menschen mit eingeschränkter Mobilität
- Berufstätige mit unregelmäßigen Arbeitszeiten
Auch „Blended Learning“-Formate sind möglich: ein Teil der Stunden findet online statt, ein Teil in Präsenz. Der Abschlusstest muss jedoch immer in Präsenz abgelegt werden. Einen ausführlichen Vergleich von Online- und Präsenzkursen finden Sie hier: Online vs. Präsenzunterricht – Was ist besser zum Deutschlernen?
Häufige Fragen zum Integrationskurs
Wie lange dauert der Kurs?
Das hängt von der Intensität ab:
- Intensivkurs (4–6 Stunden täglich, Mo–Fr): ca. 5–7 Monate
- Teilzeitkurs (2–3 Stunden täglich): ca. 10–14 Monate
- Abendkurs (3x pro Woche abends): bis zu 18 Monate
Welche Sprachen werden im Unterricht gesprochen?
Im Integrationskurs wird grundsätzlich auf Deutsch unterrichtet — das ist pädagogisch gewollt. Bei absoluten Anfängern können kurze Erklärungen in einer Brückensprache vorkommen, aber das Ziel ist konsequentes Deutsch ab dem ersten Tag.
Was wenn ich bereits B1 kann?
Dann können Sie direkt zum Orientierungskurs zugelassen werden. Alternativ gibt es den „Förderkurs für Fortgeschrittene“, der Lücken gezielt schließt. Ihr Niveau wird beim Einstufungstest festgestellt.
Kann ich den Kurs wechseln?
Ja, ein Wechsel des Kursträgers ist möglich, wenn triftige Gründe vorliegen (z.B. Umzug, unzumutbare Anfahrt). Der bereits absolvierte Fortschritt wird angerechnet.
Integrationskurs als Schlüssel zur Niederlassungserlaubnis
Der erfolgreiche Abschluss des Integrationskurses hat direkte rechtliche Vorteile:
- Niederlassungserlaubnis: Der erfolgreiche Abschluss kann die Wartezeit von 5 auf 3 Jahre verkürzen — eine enorme Beschleunigung auf dem Weg zum dauerhaften Aufenthalt.
- Einbürgerung: Ausreichende Deutschkenntnisse (mindestens B1) sind Pflichtvoraussetzung. Der DTZ-Abschluss ist ein anerkannter Nachweis.
- Aufenthaltstitel: Das Absolvieren des Integrationskurses zeigt Integrationsbereitschaft und kann bei Verlängerungsanträgen positiv berücksichtigt werden.
Fazit: Integrationskurs 2026 — Ja, unbedingt!
Der Integrationskurs ist das beste Angebot, das Deutschland für Neuankömmlinge hat — und das aus mehreren Gründen:
- Kostenlos oder sehr günstig: Für die meisten Teilnehmer fallen keine oder nur geringe Kosten an. Wer selbst zahlt, bekommt bei Abschluss die Hälfte zurück.
- Staatlich anerkanntes Zertifikat: Der DTZ-Abschluss ist bundesweit anerkannt und hilft bei Bewerbungen und Behördengängen.
- Soziale Integration: Im Kurs treffen Sie Menschen aus aller Welt, die in der gleichen Situation sind. Das erleichtert die Eingewöhnung enorm.
- Rechtliche Vorteile: Erfolgreicher Abschluss beschleunigt den Weg zur Niederlassungserlaubnis und Einbürgerung.
- Umfassendes Paket: Sprachkurs UND Landeskunde in einem — effizienter als zwei getrennte Kurse.
Wer nach Deutschland gezogen ist und ernsthaft bleiben möchte, sollte den Integrationskurs so früh wie möglich beginnen. Er ist der schnellste und günstigste Weg, um sich sprachlich und gesellschaftlich zu integrieren — und öffnet Türen, die ohne Deutschkenntnisse geschlossen bleiben.
